Erik Daumann bei Klassik.com

Ein musikalischer Adventskalender – Sächsisches Hornquartett: Frank Höhnerbach liest 24 Adventsges­chichten

Es ist beileibe keine wirklich neue Idee, einen musikalischen Adventskalender auf den Markt zu bringen. Solcherlei Adventskalender sind inzwischen Legion. Die herkömmlichen Schokoladen-Adventskalender können nie enttäuschen, weil ihr Inhalt das verheißt, was man erwarten darf: Schokolade. Anders ist dies bei den musikalischen Adventskalendern, deren Inhalt oft und oft mit drittrangigen Einspielungen bestückt und meist ziemlich talentfrei kompiliert wurde.


Eine Ausnahme bildet der musikalische Adventszeitverkürzer des Labels Auris Subtilis, der mit 24 Adventsgeschichten der erfolgreichen Kinder- und Jugendbuchautorin Barbara Bartos-Höppner, gelesen von Frank Höhnerbach und musikalisch umrahmt vom Sächsischen Hornquartett, aufwartet. Das sächsische Plattenunternehmen aus Chemnitz präsentiert seine audiophilen Kostbarkeiten nicht nur in hervorragenden Interpretationen heimischer Künstler, sondern auch in ansprechenden Klappalben, deren edle Aufmachung durchaus Vorbildfunktion für so manche grässlichen CD-Umhüllungen haben könnte. Geschmackvoll zeigt sich auch das Cover dieses musikalischen Adventskalenders: vier holzgeschnitzte Kurrendesänger aus dem Erzgebirge, mehr bedarf es nicht, um als Cover für diese Scheibe auf dem diesjährigen Weihnachtsmusikmarkt zu dienen. Und das Bild der vier kindlichen Sänger ist zugleich Ausgangspunkt und Programm des Silberlings wie auch der Geschichten von Barbara Bartos-Höppner, eine Jahrhunderte alte Metapher für eine unschuldig-friedvolle Kindheit inmitten friedloser Zeiten. Martin, Hannes, Christoph, Gottfried und Karl sind Schüler der Lateinschule, bettelarm und deshalb Kurrendesänger. In den Geschichten von Bartos-Höppner zieht diese kleine Kindergruppe singend von Haus zu Haus, kehrt beim Erzgebirgs-Bergmann ein, singt auf dem Berg und im Tal, in der Stadt und im Dorf, durchwandert singend und um Nahrung bittend durch die Zeiten des 30-jährigen Krieges, der Napoleonischen Kriege und der Zeit der ersten Eisenbahnen.


Frank Höhnerbach, bis vor kurzem Ensemblemitglied des Schauspiels Chemnitz, liest die Adventsgeschichten – anders als der märchenonkelhafte Hans Paetsch, der diese Geschichten vor ein paar Jahren für die Deutsche Grammophon aufnahm – in einem Duktus des Realistischen und mit dem Engagement eines, der die Texte nicht nur einem kindlichen Publikum präsentieren will. Dabei bleibt er sehr schlicht, ohne übertriebene Dramatik. Akzente setzt Höhnerbach dort, wo leichte Ironie erlaubt ist, etwa, wenn hier und da sein sächsischer Dialekt zum Vorschein kommen darf. Das hat etwas anrührend Unprätentiöses, etwas dem Zeitgeist völlig Konträres. Barbara Bartos-Höppners Geschichten sind bestes Material zur Entschleunigung und Rückbesinnung auf das Atmosphärische, ja Magische der Adventszeit, wie ein ind sie empfindet. Man glaubt, den Rauch der Räuchermännchen förmlich riechen zu können, den klaren Duft der eisigen Kälte und des warmen Holzes in der Wohnstube. Diese Intimität findet ihr Pendant in den Interludien des Sächsischen Hornquartetts. Weich und im Klang konturiert abgerundet bieten die Herren Alan Korck, Andreas Roth, Mathis Stendike und Franz Streuber Hornspiel vom Feinsten: Stücke von Johann Hermann Schein, erzgebirgisches Volksgut oder bekannte Weihnachtslieder wie 'Kommet ihr Hirten', 'Kling, Glöckchen', 'Freu dich Erd und Sternenzelt' oder 'Vom Himmel hoch'. Gerade die Sätze der bekannten Weihnachtslieder haben so gar nichts Spektakuläres, sondern werden als Dienst an der Melodie und klaren Erkennbarkeit der Lieder verstanden. Der Ausnahmestatus dieser Scheibe ist ihre intime, einladende Simplizität. Unter den musikalischen Adventskalendern ist dieser eindeutig der Favorit.

 

Verabredung mit Blashörnern und vier fröhlichen Musikern

Ostsee-Anzeiger 17. August 2011

Elmenhorst – Es rief das Horn und die Musiker kamen. Ein ‚Rendezvous’ besonderer Art mit dem Sächsischen Hornquartett Chemnitz konnten am Samstag die Zuhörer im vollbesetzten Elmenhorster Fritz-Reuter-Saal erleben. Entsprechend dem ursprünglichen Einsatz des Horns als Signale gebendes Medium zum Rufen, Verkünden, Zusammenkommen lud Franz Streuber die gut 100 Zuhörer zu einer ‚Verabredung mit den Blashörnern’ ein, was die Musiker eingangs mit dem „Rendezvous de Chasse“ untermalten. Streuber, Hornist der Robert-Schumann-Philharmonie in Chemnitz und Gründungsmitglied des seit 1996 bestehenden Quartetts, führte die Gäste mit anschaulich dargestellten Details zum optimalen Hornverständnis durch ein abwechslungsreiches musikalisches Programm mit humorvoll unterlegten Einlagen. Die Musiker verbinden zurzeit familiären Urlaub auf Rügen mit Konzerten in Kirchen Vorpommerns.

Die Musiker ließen das breite Repertoire der Hörner ertönen. Es folgten festliche Turmmusik von Haussmann, der Jägerchor aus dem Freischütz, romantisch weiche Klänge von Bruckner, aber auch moderne Kompositionen von Kotsier mit sowohl gewaltigen wie auch ganz zarten Klängen. Zwischendurch bekam das Publikum interessante und illustre Einblicke in die Ursprünge, Vielfältigkeit und Geschichte des Horns: Alan Korck, Hofer Symphoniker, und Mathis Stendike, Orchestermusiker mit Vorliebe für Percussions in Jazz und Weltmusik, verabredeten sich über die Köpfe der Zuschauer hinweg mittels Büffel- und Stierhorn; Mathis demonstrierte lautstark, was in einem großen Muschelhorn steckt; in einer fiktiven Erzählung mit Prinz, Prinzessin und 4 zufälligen Lippenstürzen wird die Funktion von Postillion, Herold und Nachtwächter samt ihren Signal gebenden Hörnern äußerst anschaulich dargestellt. Die Talente der Musiker sind breit gefächert. Streuber animierte die Zuhörer zu interaktivem Chorgesang; Andreas Roth, Diplommusikpädagoge mit vielfältiger Orchestererfahrung, und Alan demonstrieren eine improvisierte Livekomposition für 2 Gartenschläuche, 1 Trichter und 1 Gießkanne für 3 Hornisten und 1 Hornistin. Letztere war Renate Rasch, Musikerkollegin aus Chemnitz, beheimatet in Ahrendsee, die sich für einen kleinen Gastauftritt dazu gesellte.

Das aufgrund der Ahrendseer Kontakte zustande gekommene Sonderkonzert hatte trotz der vielen Gäste einen beinahe familiären Charakter. Auch 6 Kinder der Hornisten zwischen 2 und 14 Jahren lauschten in der 1. Reihe. Sie treten musikalisch bereits in die Fußstapfen ihrer Väter und spielen Saxophon, Klavier oder Trompete. Dem Wunsch der Kontaktperson Waltraut Rasch folgend, spielten die Hornisten nicht nur reine Klassik, sondern auch „was Fröhliches, Zünftiges“: Volkslieder, Märsche, Polkas, Walzer und einen Tango. ‚Rixdorfer Musike’, ‚Rosamunde’ oder ‚Gehen se mal rüber’ brachte den Saal in Stimmung. Einen stilvollen Ausklang nach etlichen Zugaben boten die Alphornklänge, mit denen die Musiker getreu ihrer und der Philosophie des Horns, so Streuber, das Publikum nach draußen ins Grüne riefen zur gegenseitigen Verständigung und zur Harmonie des Lebens. Wer will, kann dem Rufen der Hornisten noch nach Rügen folgen.

 

Hartmut Schütz in Dresdner Neuste Nachrichten 28. Juli 2009


Gottfried Blumenstein: Hornklänge zu Wald und Jagd
Quartett aus Chemnitz gestaltet 4. Serenade im Barockgarten von Lichtenwalde

„Es vermischt sich ebensogut mit den Holzbläsern wie mit den Trompeten oder Posaunen, vermag höchst sensible und verträumte Töne auszustoßen, kann aber auch gewaltig fanfarenhaft loslegen. Seine Schwelltöne wurden immer gefragter in dem Moment, wo die Terrassendynamik des Barock aufgegeben wurde und das Tutti-Crescendo vehement um sich griff. Instrumentenmacher hatten zwar von Anbeginn versucht, das Horn technisch zu verbessern und analog der Flöte mit Klappen zu versehen. Doch diese Versuche sind alle gescheitert. Aber endlich war auch den geplagten Hornisten das Schicksal hold, indem mit der Erfindung von Ventilen (1818 als Patent von Stölzel und Blühmel angemeldet) nun Hörner gebaut werden konnten, die ein leichteres Spiel aller chromaischen Töne erlaubten. Dieses sogenannte Ventilhorn hat sich in den Orchestern nichtsdestotrotz sehr langsam durchgesetzt, erst ab 1850 kam es allgemein verbindlich zum Einsatz. Die Schwierigkeiten mit dem Ansatz und die verteufelt eng beieinander liegenden hohen Obertöne, die jene berühmt-berüchtigten "Kiekser“ erzielen, die selbst der unerfahrenste Konzertbesucher noch als grobe Schnitzer ausmachen kann, sind aber bis heute geblieben und machen den Beruf des Hornisten kreuzgefährlich. Das wunderbare Können der vier Hornisten des Sächsischen Hornquartetts ist freilich über jeden Zweifel erhaben, und so zeugen ihre Konzerte von den vielfältigen Möglichkeiten, die mit dem Horn erzeugt werden können."

Freie Presse 31.08.2004


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